Sonntag, Januar 22, 2012

"Wenn ein Kind geboren wird, hat es wahrscheinlich die gesunde Lebensanschauung Nr. 1: Ich bin OK - Du bist OK. Solange seine wichtigsten Bedürfnisse erfüllt werden, wird es bei dieser Lebenseinstellung bleiben. Menschen mit dieser Lebensanschauung sind optimistisch und haben eine geistig gesunde Einstellung dem Leben gegenüber. Sie gehen frei und offen Beziehungen ein und verhalten sich anderen und ihrer Umwelt gegenüber nach dem Motto "Laß uns voran machen". Wenn jedoch die Bedürfnisse des Kindes nicht befriedigt werden - sei es durch Zufall oder durch absichtliche Vernachlässigung - kommt es zu der Lebensanschauung Nr. 2, Nr. 3 oder Nr. 4. Menschen können auch zu der Grundeinstellung gelangen, daß sie selbst und/oder andere nicht OK sind, wenn sie das durch Vorbild oder entsprechende Zuwendung von wichtigen Autoritätspersonen lernen.

Wird ein junger Mensch stark vernachlässigt, mißhandelt oder tyrannisiert, entscheidet er unter Umständen, daß es die anderen sind, die nicht OK sind. Geschieht das, übernimmt er die Lebensanschauung Nr. 2: Ich bin OK - Du bist nicht OK. Im allgemeinen hat ihm dann zumindest ein Elternteil diese Grundeinstellung vorgelebt. Die meisten Menschen z.B., die Kinder mißhandeln, wurden selbst mißhandelt, als sie klein waren. Diese Lebensanschauung wird auch als paranoide Grundhaltung bezeichnet, weil Leute mit dieser Einstellung oft extrem mißtrauisch und voller Vorwürfe und Haß sind. Sie leugnen u. U. jegliche persönliche Schwierigkeiten, fühlen sich immer reingelegt und reagieren dementsprechend ärgerlich oder frustriert. Das Motto, nach dem sich Ihr Verhalten richtet, heißt "Zum Teufel damit".

Die Lebensanschauung Nr. 3 ist die depressive Grundposition, die in unserer Gesellschaft am weitesten verbreitet ist. Das Kind kann sich entscheiden, nicht OK zu sein, wenn seine Bedürfnisse nicht befriedigt werden. Menschen mit dieser Grundeinstellung halten sich oft für dumm, minderwertig, häßlich oder unzulänglich. Depression, Schuldgefühle und/oder Mißtrauen anderen gegenüber können auch dazugehören. Solche Menschen haben große Schwierigkeiten, Komplimente anzunehmen. Ihr Gesamtverhalten steht unter dem Motto "Nichts wie weg".

Die Lebensanschauung Nr. 4: Ich bin nicht OK - Du bist nicht OK haben solche Menschen, die als Kinder ganz besonders unglücklich waren. Deshalb haben sie sich entschieden, daß weder sie selbst noch andere Menschen so wichtig und wertvoll sind, daß sich die Mühe lohnt. Das ist eine Einstellung, mit der alles sinnlos wird. Leute, die sie haben, enden oft in Gefängnissen, psychiatrischen Anstalten oder im Leichenschauhaus. Sie leben nach dem Motto: "Es ist doch alles sinnlos". "

Michael Brown / Stan Woollams / Kristyn Huige, "Abriss der Transaktionsanalyse", 1983 - hier

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