Sonntag, Januar 15, 2012

Am Tag vor Silvester rief der Compsognathus an. Er versprach, mir zu schreiben, und dass wir uns auf jeden Fall in der Woche darauf sehen. Ich hörte nichts mehr von ihm, er antwortete mir auf nichts, ging nicht ans Telefon, war nicht zu Hause. Das liebe Universum sprach mal wieder zu mir, und am Mittwoch zog ich mich an und fuhr hin, weil ich dachte, er hat mich endgültig verlassen und den Kontakt zu mir abgebrochen, ohne es mir zu sagen; und selbst wenn ich das Mädchen treffe, kann es nicht schlimmer sein als jetzt, also was soll's.

Ich klopfe.
Hinter der getrübten Glasscheibe sehe ich, dass jemand kommt und versucht, durch den dünnen ungetrübten Spalt zu schauen, um zu erkennen, wer da steht. Dann schließt die Person die Tür auf, und ich denke, vielleicht macht das Mädchen auf, was sage ich dann...
Aber der Compsognathus steht in der Tür. Seine Haare sind etwas länger, er sieht gut aus. Zuerst weiß niemand, was er sagen soll, ich bin eingeschüchtert und sehe nur ihn an. Dann sehe ich zur Seite. Ein Mädchen ist im Zimmer, und im ersten Moment überlege ich, wer das ist, weil es..anders aussieht, als ich erwartete. Das Mädchen schaut erst fragend, dann versteht sie, wer vor der Tür steht, seufzt und sagt "Ich geh duschen." Der Compsognathus schaut mich immer noch an und fragt, ob ich Tee will.
"Darf ich reinkommen?" frage, lächle, wundere ich mich.
"Du darfst schon reinkommen", sagt das Mädchen (!).
Dann empfiehlt sie mir Teesorten. Sie ist betont nett und fröhlich und ich frage mich, ob das echt oder aufgesetzt ist. Letztendlich bekomme ich einen Tee mit Vitamin C, weil ich immer noch heiser bin...
Der Compsognathus weiß offensichtlich nicht, was er tun soll, wartet, bis das Mädchen ihre Kleider gepackt hat, und folgt ihr dann, versucht, sie zu umarmen und legt seine Hände auf ihre Hüften. Sie gehen raus, und man hört, wie sie reden und lachen. Ich setze mich auf das Sofa, warte, und frage mich, ob er mehr Spaß mit dem Mädchen hat als mit mir...
Schließlich kommt er mit dem Tee. Er werkelt noch etwas herum und setzt sich dann in einen Sessel, nicht auf das Sofa neben mich. "Setz dich zu mir", sage ich, und er sagt, "Das nächste Mal". Es gibt zumindest ein nächstes Mal...
Ich setze mich an die Kante des Sofas neben seinem Sessel und sage, dass er mich gar nicht begrüßt hat. Er steht auf und umarmt mich sehr, sehr lange.
"Warum hast du dich nicht bei mir gemeldet?", frage ich dann. Er erklärt, dass er dachte, ich hätte die Emails gelesen und verstanden, was er mir damit hat sagen wollen: Dass er sich jetzt ein paar Tage nicht melden möchte, um es für alle einfacher zu machen. Die SMS, die ich ihm schrieb, hat er teilweise schon gelesen, und aus denen las er heraus, dass ich seine Emails gelesen hätte und cool damit wäre.
Ich frage, was anders ist. Nichts, sagt er.
Ich frage, ob er mich immer noch liebt. Er lächelt, aber er antwortet nicht. Dann sagt er ein paar Mal, "Du bist mir sehr wichtig".
Tut er es nicht mehr? Darf er mir es nicht mehr sagen? Er erklärt, dass jetzt alles transparent ist, das Mädchen will jetzt alles wissen, was zwischen uns ist. Wenn er mir sagt, dass er mich liebt, muss er auch ihr sagen, dass er mir gesagt hat, dass er mich liebt, und dann gibt es wieder Stress. Außerdem.. "wir" sagt er, und meint damit das Mädchen, "denken, dass es unfair dir gegenüber ist, das zu sagen. Wenn ich sage, ich will nur Freundschaft, aber gleichzeitig, dass ich dich liebe, dann sendet das doch falsche Signale...". Ich denke, wow, und sage, "Es wäre ein falsches Signal, wenn du mich nicht lieben würdest und mir sagen würdest, dass du es tust. Aber du sagst ja, du liebst mich, aber wir müssen im Moment so tun, als wären wir nur befreundet, oder?", und er nickt. (Später sagt er nochmal in einem Nebensatz doch, dass er mich liebt.)
Nichts ist anders.
Er erzählt, dass es auch vor Silvester, als wir zum letzten Mal telefoniert hatten, fast wieder zu Ende war. Und auch an Silvester war es fast wieder zu Ende. Er sagt, dass er versucht hat, es für alle leichter zu machen, indem er sich nicht meldet, aber er hats dadurch nur schwerer gemacht; für mich, natürlich, und ihm sei es auch sehr schwer gefallen, sich nicht zu melden, und dass er an mich dachte, und dass er mich vermisst hat, und dass es ihm schon im Herzen weh tat, sich nicht zu melden. Dass sowohl Melden als auch Nichtmelden emotionaler Stress für ihn war. Auch deswegen hat er versucht, wie so oft, das alles einfach zu Ignorieren...Aber er sieht ein, dass das nicht gut war, dass er das besser hätte kommunizieren sollen, und er sagt mehrmals, dass es ihm leid tut, dass er nicht wollte, dass es mir schlecht geht und dass ich mir so unklar über alles bin. Er umarmt mich auch nochmal deswegen, ein paar Mal strecke ich im Verlauf des Gesprächs auch meine Hände aus und er drückt mich kurz.
Das Mädchen kommt mehrmals rein, holt irgendwas, bietet uns (!) Knabbereien an (...??) und verzieht sich dann wieder in die Küche. Mehrmals geht sie zu ihm und küsst ihn - ich sehe weg, aber sie macht ganz laut "...mmmmuah!". Ich denke an einen Hund, der deutlich machen muss, wo sein Revier ist... Einmal setzt sie sich zu uns und spielt mit seiner Hand. Ich sehe weg, aber ich bin dann zu beschäftigt, mich darauf zu konzentrieren, nicht loszuheulen, um an ihrem Gespräch teilzunehmen
Einmal, als er in die Küche geht, um mehr Tee zu machen, gibt es Geheule und Geschrei und Trara. Ich denke mir, was ist jetzt los. Ich versuche, mitzuhören, aber die Küche ist etwas weit weg und ich verstehe es nicht so gut. Ich höre aber, dass das Mädchen sagt, dass ich irgendwas akzeptieren muss, "Willst du zu ihr gehen?! Geh doch! Geh doch!!" und "Ich gehöre hierher!". "Geh doch"... sie weiß doch, dass er in so einer Situation nicht gehen kann, das war doch nur eine Machtdemonstration...Aber nach einer Weile lachen sie, und ich frage mich, wie man so schnell von Tränen zu Lachen wechseln kann?... Als er zurückkommt, sagt er, dass sie erwartet hat, dass er ihr hinterherläuft, als sie traurig aus dem Zimmer flüchtete. "Ich dachte, sie ist ganz normal gegangen", sage ich irritiert, und er sagte, ja, ich auch.

Ich frage ihn, ob alle unsere Deals noch gelten.
Wir haben nur einen.
Er sagt, na klar gelten die noch.
Dann frage ich, ob er meine Gutscheine behält. Ja.
Und dann frage ich ihn, ob er alle Päckchen von mir behält. Ich muss ihm ein wenig auf die Sprünge helfen, aber dann fällt ihm ein, was er von mir hat. Er behält auch die.
Ab und zu sagt er unser selbst erfundenes Wort, und als ich frage, ob er noch Kosenamen sagt, sagt er fünf zu mir, und als ich frage, ob er noch "mein" sagt, sagt er "Meine Misa". Ich zeige ihm sein potentielles Weihnachtsgeschenk und sage, dass ich es ihm nur symbolisch schenken will und behalten, weil ich es so toll finde, aber wenn er mich mal heiratet und wir zusammen ziehen, dann hat er's ja eh auch dann. Er lächelt und sagt irgendwie "ja" dazu. Dann sagt er, dass er es aber nicht hätte annehmen können... weil es dann so präsent wäre...(Es ist ein Kissen, und ich frage mich, wie das um Himmels Willen passieren soll, dass sie nicht mehr Stress macht, wenn wir Kontakt haben, wenn er nicht mal ein Kissen von mir annehmen kann.)
Aber er zeigt mir dann das Kissen als kleines Modell aus Papier, das ich ihm gebastelt habe, das immer noch in seinem Regal steht. Ich erzähle von Silvester, von meiner neu entdeckten sozialen Aktivität, von dem Gefühl, nicht zu wissen, wie ich bin, und von der Entdeckung, dass ich vielleicht so bin, wie ich nie dachte, dass ich sein könnte. Er erzählt mir, dass ich die Messlatte für alles sei, dass das Mädchen alles an mir misst und unsere Beziehung als Ideal sieht. Ich frage ihn, wie er das sieht. Er sagt, es gab ja diese Dinge, die ihm nicht so gefielen an mir - dass ich passiv war, und dass er mit meinem Lifestyle, bis 4 Uhr morgens wach zu bleiben und so, nicht klarkam, weil er dann den Rest des Tages nichts mehr hinbekam, während ich fröhlich durch die Welt sprang - abr dass es abgesehen davon eine sehr gute Zeit mit mir war, und schon irgendwie ein Ideal. Ich bin verwundert. Warum bist du dann nicht mit mir zusammen?, frage ich leise...
Irgendwann reden wir wieder über diese Beziehungssache, und er sagt, wir müssen jetzt eben eine Freundschaft haben, und das kriegen wir schon hin, das wird klappen. Ich schüttle den Kopf. Ich sage ihm, dass ich immer wollen werden, dass er mir sagt, dass er mich liebt. Er lächelt. Und sagt "Danke".
Schließlich sagt er, dass ich gehen muss, weil er nicht so viel Zeit hat. Wir stehen voreinander. Ich frage, ob ich ihn anfassen darf, er sagt ja, und ich streichle mit den Fingerspitzen seinen Bauch, wie früher. Er tritt aber zurück und sagt "Fummeln ist schon kritisch"... (was für Fummeln.) Dafür nimmt er meinen Schal in die Hände und spielt damit rum - er hebt ihn hoch, und dann fängt er plötzlich an zu grinsen und legt den Schal wieder zurück. Zuerst blick ich's nicht, dann doch.
Ich frage, wie ich mich verhalten soll, und er sagt, ich solle nach Hause gehen, und mich möglichst gut fühlen. Ich will, dass er mich küsst, und er sagt rigoros, dass er das nicht machen kann - wenn er das macht, dann ist sie weg. Die letzten Male hat er mich geküsst, und sie wisse das, und natürlich ging es da auch fast wieder auseinander. "Ich führe jetzt diese Beziehung und bin nicht für's Bett zu haben. Auch nicht für Kuscheln oder Küssen. Nur für den Rest." Ich hab's die letzten vier Tage gemerkt, sage ich...
Ich sage, er soll es ihr einfach nicht erzählen, und er sagt, er sei nicht so. "Du bist auch nicht monogam und trotzdem machst du das", sage ich. "Ich lebe gerade monogam und hab mich dazu entschieden", antwortet er. "Ich weiß nicht, ob ich das nochmal mache, aber im Moment ist es so." Das hört sich für mich an, als ginge das vorbei... "Ich kann dir nicht sagen wann und wie lange..." sagt er. Er sagt nicht, ob.
Er sagt, dass ich zu viel verlange, und ich empöre mich. ICH verlange viel?... Er sagt, quasi, "ich liebe dich, aber ich schlafe nicht mehr mit dir, ich hab jetzt eine andere Ische am Start, wir sehen uns nicht mehr und haben kaum Kontat und ich sage dir jetzt auch nicht mehr, dass ich dich liebe, ich verspreche dir auch ständig Sachen, die ich nicht halten kann", und ich muss damit klar kommen. Ich sage doch eigentlich zu allem Ja und Amen, ich akzeptiere alles und füge mich, ich versuche, noch so viel Zuneigung wie möglich von ihm zu bekommen, aber ich nehme es doch hin, wenn ich es nicht bekomme (wie den Kuss...). Und sie? Verlangt von ihm, seinen Lebensstil zu ändern (Mono vs. Poly), mich aufzugeben, mir weh zu tun, kontrolliert ihn ständig (!!!!) und es ist schon Schluss wegen Sachen wie "Er telefoniert 30 Minuten mit Mila"... Und dann bin ich die, die zu viel verlangt?!
Ja, stimmt schon, sagt er.
Ich sage, ich bin so nett zu ihm, oder vielleicht auch nur dumm. Er widerspricht mir. Das sei nicht dumm, dass sei sehr nett und liebenswert. Ich kann nicht anders, als zu fragen, warum er dann mit jemandem zusammen ist, der seine Liebe an Bedingungen knüpft...
Dann sagt er noch, ich soll zu Fräulein Bamberg und Frau Pfeil gehen, und die werden mir schon den Kopf waschen. Und was sagen? "Dass du nicht an so einem blöden Typen hängen sollst..." - "Also willst du, dass ich mich abwende?", frage ich, und er sagt nein und schüttelt den Kopf. Dann kommt das Mädchen kurz rein, das Gespräch wird wieder unterbrochen.

Dann sagt er, dass ich gehen muss, und ich will noch etwas aus dem Auto holen, das ich ihm geben wollte. Er sagt, okay. (Zuerst will ich, dass er mitgeht, und er sagt, er will nicht mitgehen, weil das Mädchen denken wird, dass er mit mir rausgeht zum Rumknutschen.) Ich will schon vor dem Gehen eine Umarmung, und obwohl der Heizkörper zwischen uns steht, beugt er sich zu mir und umarmt mich....
...und natürlich kommt in dem Moment das Mädchen ins Zimmer. "Na toll", zischt sie und geht wieder raus. "Wir verabschieden uns, das ist doch nichts Schlimmes", sage ich noch, und es tut mir irgendwie leid, weil ich das schon so nicht wollte. Er schaut irgendwie entschuldigend, und ratlos. Ich gehe und hole die Sachen (es sind zwei T-Shirts, die ich für ihn zu Weihnachten extra bestellt hab), gehe zurück, weine unterwegs, und tippe die Tür an. Er macht die Tür auf, nimmt die Sachen, gibt mir meine Jacke, die ich extra drin hab liegen lassen, und weiß gar nicht, was er machen soll. Er beugt sich raus und umarmt mich nochmal fest, aber nur kurz, und als ich nicht loslassen will, bittet er mich darum. Ich will eigentlich noch fragen, ob wir uns wiedersehen, wann wir wieder reden, aber er schaut schon sehr gestresst, dreht sich mal in die eine, in die andere Richtung, sagt, dass es ihm leid tut, will sich nochmal rausbeugen, dreht sich dann zu dem Mädchen um, sagt, dass er nicht kann, entschuldigt sich, und schließt die Tür.
Ich bleibe ein paar Sekunden an der Wand gelehnt, dann setze ich mich auf die Treppenstufe. Ich höre, wie das Mädchen hinter mir laut und hektisch redet und mit irgendwas laut klappert... ich denke, vielleicht räumt sie ihre Sachen zusammen... es hört sich auch an, als hätte sie ihre Schuhe an, und ich denke, ich sollte bleiben, weil sie vielleicht geht, aber nach kurzer Zeit ruft mich jemand an, und ich gehe weg von der Tür, weil ich nicht will, dass sie mich hören. (Damit es nicht noch Streit gibt, weil ich immer noch da bin, fällt mir ein. Alter. Ich bin zu nett.) Ich sitze dann in der Nähe und telefoniere etwas. Ich sehe manchmal, wie sich hinter seiner Tür etwas bewegt. Schließlich fahre ich.

Mir fällt ein, dass wir immer noch nicht richtig über den Brief geredet haben. Ich hätte auch sie gleich zur Rede stellen können, aber ich denke, dann wäre sie giftig geworden... meine Meinung ist sicher davon getrübt, dass sie eben meine Konkurrentin war, aber was ich erlebt habe, hat mir nicht gefallen.

Im Nachhinein erfahre ich, dass sie tatsächlich ihre Sachen gepackt hat und gehen wollte, weil er den Abend sozusagen mit mir verbracht hat statt mit ihr und weil ihr die Umarmung zum Schluss nicht freundschaftlich genug war. Er lief ihr hinterher, sie standen die ganze Nacht draußen, sie kamen letztendlich doch wieder zusammen.
Fortsetzung folgt...

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posted by Mila at 20:56 |



2 Comments:


At 17 Januar, 2012 14:44, Blogger Simon

Die Analogie mit dem Hund, der sein Revier markieren muss, die ist superb gut und treffend. Dafür einen lauten "Mmmmmmuah!" .....


Simon

 

At 17 Januar, 2012 18:24, Blogger Mila

Ah..
Ich weiß nicht, ich finde das schon etwas harsch und habe auch gezögert, ob ich das posten soll. Ich will nicht grundsätzlich böse gegen dieses Mädchen sein...
Aber mal ehrlich, sie HAT ihn doch schon, muss das dann noch sein? Muss dann überhaupt das ganze Getreite und Getrenne und Nachgerenne sein? Und vor allem, muss so ein Triumphgehabe vor mir sein? Ihr muss doch klar sein, dass es mir schmerzt, und dass sie vor allem ihn dazu zwingt, mir weh zu tun mit sowas. Das ist doch, egal, welches "Recht" sie hat, in keinster Weise nett...