Mittwoch, Januar 18, 2012

Nachdem ich in der Höhle des Löwen gewesen bin, wusste ich nicht, was ich tun sollte. Ich wusste ja erst nicht, wie es bei denen weiterging, und auch nicht, wie ich mich verhalten sollte. Sollte ich mich melden, oder nicht?
Ich schrieb eine Email (und dann nochmal die gleiche in Kurzform, weil ich mich natürlich wieder verlaberte und dachte, vielleicht hat er keine Zeit, sie zu lesen). Kurze Zeit später erhielt ich eine Email von ihm zurück...mit einem Link zu einem Artikel über neu entdeckte Tiefseekreaturen.
What? Ich wusste zuerst nicht, was ich davon halten sollte. Ich hatte doch Fragen gestellt, wichtige Sachen geschrieben, und er antwortet nicht...? Vielleicht gibt es neue, verschärfte Regeln, und er darf nun doch keinen Kontak mehr haben?
Ich antwortete, und fing an, täglich Emails zu schreiben. Manchmal nur, dass ich ihn vermisse, manchmal glühend heiße Liebesmails. Sozusagen. Er antwortete nochmals, aber nicht mit richtigen Worten. Ich bekam Links und Füllworte. Reichte trotzdem, um mich glücklich zu machen.
Als ich letzte Woche am Montag wieder nach Düsseldorf fuhr, schrieb ich ihm eine SMS. Ich hatte ihn vorher schon gebeten, mich zu verabschieden; ich habe in Stuttgart 13 Minuten zum umsteigen, in der Zeit kann ich ihn unmöglich verführen, also dachte ich, dass es legitim wäre. Er sagte mir ab...aber er sagte mir wenigstens ab, und er war sehr nett dabei, und obwohl ich heulte, war ich voller Zuneigung (und er erwiderte das schriftlich). Trotzdem war es eine Qual, nach Hause zu fahren, zum ersten Mal seit einem Jahr war er nicht da, als ich ankam. Ich dachte an das letzte Mal, als ich vor diesem Zug stand. Ich hatte geweint und er hatte mich (obwohl er da schon mit dem Mädchen zusammen war) geküsst, damit ich nicht weine, so lange, bis ich keine Luft bekam. Er sagte, dass sein Herz schon ein wenig gebrochen war und dass es immer schlimm sei, wenn ich wegginge. Als der Zug abfuhr, rief er an, und als er zu Hause war, schrieb er mir, dass er sich leer fühlt und unter Milaentzug leidet...
Unter Milaentzug leidet er wohl, und er versucht, das zu ignorieren. Ich schätze ihn auch so ein. Am Sonntag rief ich einfach mal an, und er war da, und wir redeten, und danach war ich noch mehr voller Sehnsucht. Es war nett... er sagte, es hätte sich nichts geändert, aber dass er etwas Zeit braucht, weil... wer kann es sich denken? Weil er Liebeskummer hat wegen mir. Natürlich fällt es ihm da schwer, sich bei mir zu melden. Über die meisten Themen, über die ich (natürlich) reden wollte, wollte er gar nicht reden, weil er gar nicht darüber nachdenken wollte. Es blieb nur Small Talk. Und die Offenbarung, dass er Liebeskummer hat.
Ich rief nochmal an, und da war das Gespräch nicht so glücklich. Trotz Liebeskummer sagte er, dass er nicht zurückkommt und dass sie es wert sei, mich zu verlieren.
Autsch.

FU, Leben, dachte ich. Ich fühlte mich elend, und natürlich frage ich mich, wie jedes Mal... warum bin ich nie genug? Ich verlange nicht mal, allein genug zu sein. Und dennoch...
Dann dachte ich, dass das nichts Neues ist. Er hat sich schon länger für sie entschieden und so lange wie möglich versucht, mich auch zu halten, aber allein, dass er das angefangen hat, heißt doch irgendwie, dass er mich aufgeben würde. Und dass er an ihr festhält, dass wir uns nicht sehen konnten und dass wir kaum noch Kontakt hatten, hat mir doch schon gesagt, dass er mich aufgibt. Und kurz, bevor er das gesagt hat, sagte er, dass immer noch alles gleich ist wie an dem Tag vor Weihnachten...
Dann dachte ich, er klang gequält. Er hat Liebeskummer. Er sagte, er braucht etwas Zeit, um eine Freundschaft anzufangen deswegen.
Dann dachte ich mal wieder, fu, Leben, warum muss das immer so laufen?
Und dann, dass sich Dinge ändern. Vor ein paar Monaten hätte ich den Compsognathen aufgegeben für den Hasen. Es gibt da eine Szene, an die ich immer wieder denke... und jetzt ist es anders. Die Dinge bleiben eben nicht gleich, und mal ehrlich: Vor Jahren sagte der Hase zu mir, er habe keine Gefühle für mich und würde nie welche haben, und wir sahen uns ein Jahr lang nicht, und ich hoffte trotzdem auf ihn, und dann stand er vor meiner Tür und wir verbrachten die nächsten zwei Jahre jeden Tag miteinander.
Ich wusste doch, dass der Compsognathus sagte, dass er jetzt jemanden wie dieses Mädchen braucht und dass das, was sie ihm gibt, im Moment wichtig ist für ihn. Wichtiger. Aber dass er mich trotzdem liebt. Ich sollte ihn tun lassen, was er denkt, was gut für ihn ist, hm? (Ich kann es nicht einschätzen, ob es gut ist; ich kann nur sagen, dass ich mich natürlich bemühen würde, ihm auch alles zu geben, was er braucht, wenn ich es nur wüsste - aber dennoch wohne ich 400km entfernt, vielleicht könnte ich es so oder so nicht.)
Wenn ich so denke, bin ich irgendwie versöhnt. Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn er sich für mich entschieden hätte, und da ist ein wenig Unmut - aber vielleicht wegen der Situation, ich weiß nicht - und ich denke, vielleicht ist das jetzt auch nicht, was ich brauche.
Im Gegensatz dazu steht allerdings dann die Angst, dass er mich liebt, aber nicht genug liebt, dass es je reicht. Er hat gesagt, dass jemand anderes es wert wäre, mich aufzugeben... auch, wenn er gequält klang, das ist ein unglaublicher Satz. Der Satz "Das ist doch nicht nur eine Kopfsache..." fiel auch, und ich traute mich nicht, ihn zu fragen, ob das heißt, dass er sie nun doch mehr liebt als mich. (Natürlich habe ich das schon gefragt, und bis dahin hat er immer geantwortet, dass es nicht so sei und man das auch gar nicht vergleichen kann.) Und damit kommen Selbstzweifel, Minderwertigkeitsgefühle, Schmerz, und Tränen.

Aber hey, hat das Universum selbst mir nicht gesagt, dass ich mir keine Sorgen machen soll? Das Universum kann mich doch nicht anlügen, ey...
Insgesamt versuche ich, optimistisch zu sein, fühle mich dabei aber klammernd, verrückt und stalkerisch. Sowohl der Hase als auch Fräulein Bamberg sagen aber, dass es nie schlecht sei, Hoffnung zu haben, und dass das gut wäre, dass ich so denke. Na ja... auch wenn nie wieder irgendwas gut geht, wenn ich mir alles schönrede, ist es immer noch besser, als wenn ich heule, wa...

Bisher habe ich seit dem Gespräch keinen Kontakt mehr mit dem Compsognathen aufgenommen. Das Gespräch hatte keine schöne Verabschiedung, und ich denke, dass er vielleicht böse auf mich ist, er denkt das vielleicht von mir. Gerade, weil ich mich bisher täglich gemeldet habe und jetzt nicht mehr. (Als ich übrigens frug, ob ich mich nicht mehr melden soll, sagte er, dass er es nicht weiß. Er freut sich, von mir zu hören, auch über Nachrichten, auf die er mir nicht antworten kann.) Aber er sagte, er wolle diese Woche wieder reden...ich weiß nicht, ich weiß nicht.
Ich wünschte trotzdem, dass er sich irgendwie melden würde. Ich weiß nicht genau, wie ich mich in Zukunft verhalten soll, ich hatte für Februar Pläne, die jetzt quasi vom Winde verweht sind. Schon in der Höhle des Löwen sagte er ja bereits, dass es ihm im Herzchen schmerzt, sich zu melden, aber auch, sich nicht zu melden; ich mache ihm es vielleicht etwas einfacher, wenn ich mich nicht mehr melde...(und Sichnichtmelden bedeutet Sichabfinden und allen das schmerzt.) Trotzdem wünschte ich, ich würde merken, dass er doch noch an mich denkt.
Aber ich bin auch so, dass ich immer wieder das gleiche versichert haben will. Ich weiß doch, dass er an mich denkt. Ach.

...Ach ja: Ich denke nicht nur, fu, Leben, ich denke auch manchmal, danke, Leben. Es könnte schlimmer sein. Er hätte die letzten Monate auch einfach nicht versuchen können, mich auch zu halten. Er hätte sofort aufhören können mit allen Küssen, Zuneigungsbekundungen, Liebesschwüren, Gesprächen, Telefonaten, SMS, ... wenn ich überlege, wie viel da war... und er hätte sagen können, dass er mich nicht liebt. Es hätte alles viel, viel schlimmer sein sollen.
Also, positiv bleiben, hm?

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