Ich wusste nicht, was ich sagen soll. Ich schwieg.
Am Dienstag besprach ich mich gerade wegen eines Referats mit einem Mitstudenten, als ich SMS bekam, und sie waren vom Compsognathen, der wie damals der Hase ein untrügliches Gespür dafür zu haben scheint, wann ich Männerbesuch habe, hm?
Auf jeden Fall schrieb er... er nannte einen Kosenamen, und dass er sich mal wieder melden wollte, und dann ein wenig Small Talk. Ich war sofort völlig verwirrt. Ich zog in Betracht, zu antworten... aber ich wusste nicht, was. Ich rettete mich selbst mit der Ausrede, dass er mir schließlich keine Frage gestellt hatte, wenn ich nicht antworte, war mir nichts vorzuwerfen...
Als ich einige Zeit später in mein Mailfach schaute, sah ich, dass er mir auch wieder eine Email geschrieben hatte. Er grüßte mich, nannte den Ort, an dem er sich befand (an den ich übrigens in letzter Zeit öfter gedacht und mich gefragt hatte, warum er da nicht mehr hingeht...), und frug, wie es mir geht.
...Verdammt. Damit war "Er hat ja keine Frage gestellt" keine angemessene Ausrede mehr, um nicht zu antworten. Aber was soll man darauf antworten?...
- Ich antworte ehrlich: Mein Herz ist gebrochen, wegen dir, und ich gräme mich und heule ständig. Wie soll das Gespräch dann denn bitte weiterlaufen?...Ihm bleibt doch nichts übrig, als das zu übergehen, oder sich zu entschuldigen, oder keine Ahnung, auf jeden Fall ist das dann wieder sofort REDEN und das besetzt den Umgang mit mir irgendwie negativ, oder?....Andererseits weiß ich nicht, ob das unter diesen Umständen überhaupt positiv besetzt sein kann... - Auf jeden Fall, ich glaube nicht, dass diese Antwort etwas bringt.
- Ich übergehe das und sage "Ganz okay, und dir?", oder sowas in der Art. Aber dieses Problem habe ich eigentlich mit allen Internetunterhaltungen. Ich halte nichts davon, das zu fragen, nur um etwas gefragt zu haben und so antworte ich dann eben auch immer ehrlich, und wenn ich gerade ihm antworte, ohne wirklich zu antworten, was bringt das Gespräch dann überhaupt? Ne?
Außerdem...okay, das ist vielleicht blöd, aber ich will ihn nicht fragen, wie es ihm geht, weil ich nicht will, dass er mir mit "gut" antwortet. Ich will nicht, dass es ihm gut geht ohne mich... Das Höchstmaß an Gutgehen darf "Es geht mir so gut, wie es mir eben ohne dich gehen kann" sein...Also, diese Antwort ist eigentlich auch raus. Ich will weder wirklich übergehen, wie es mir geht, noch darüber reden, wie gut es ihm ohne mich geht, und was zur Hölle soll ich also dann antworten?
Ich wollte darüber noch nachdenken und verschob alles auf den nächsten Tag.
Und ich dachte darüber nach, was ich schon im letzten Post angeschnitten habe.
Als der Hase und ich Schluss gemacht haben, haben wir (jedes Mal, haha) den Kontakt abgebrochen. Ich kann mir nicht vorstellen, über jemanden hinwegkommen zu können, der in meiner Nähe ist. Das ist eigentlich schon der Knackpunkt, aber ich führe noch etwas aus: Es war damals sehr schwer für mich, etwas von ihm zu erfahren...wenn zum Beispiel mein Bruder mir sagte, er hätte ihn zufällig getroffen, das tat richtig weh...auch Freunde sollten nicht von ihm reden und so...ich war da irgendwie sehr ängstlich und immer verletzt, egal, was ich von ihm erfuhr.
Das war wohl aber noch die Mila, die kämpfte statt liebte, und die dann eben alles von sich schob und so tat, als gäbe es das alles nicht, und wenn es doch auf der Bildfläche erschien, tat das weh.
Der Hase allerdings wollte das genau so handhaben... auch vor kurzem sagte er, er will in solchen Situationen einen klaren Schnitt, und vorbei ist vorbei. Deswegen habe ich mir auch immer vergeblich gewünscht, etwas von ihm zu hören.
Die Situation, in der ich jetzt bin, ist also auch total neu für mich. Ich denke mir, ich sollte lieben statt kämpfen, und mich vielleicht nicht so heftig dagegen wehren, Kontakt mit dem Compsognathen zu haben. Schließlich ist es ja immer schön, mit ihm zu reden. (...Außer...na ja.) Aber es ist weniger das Reden, das mich da stört, sondern, wie überhaupt meine Einstellung zu dieser "Freundschaft" ist... Wenn ich tatsächlich anfange, über ihn hinwegzukommen, mit dem Ziel, vielleicht tatsächlich mal nur befreundet zu..........ach, vergiss es. Ich kenne niemanden, mit dem ich schon mal was hatte, und jetzt nur befreundet bin. Das höchste ist eigentlich "So tun, als wären wir nur befreundet", was ja auch des Compsognathen Plan ist, wie er mehrmals sagte (sogar direkt in der Höhle des Löwen...), aber wozu diese Spielchen? Ich will natürlich mit ihm reden...aber das, was er mir zugestehen kann, wird mir nie genug sein. Ist Kontakthaben unter diesen Umständen also etwas Trost, oder nur Selbstquälerei? Und zu was entscheide ich mich nun? Will ich aufhören, in ihn verliebt zu sein? Und wenn ja, heißt das, ich rede mit ihm, oder nicht? Und wenn nein, ... reden oder nicht?
Bevor ich am Mittwoch antworten konnte, bekam ich schon wieder eine SMS, als ich nach Hause kam. Auch diesmal schickte er selbsterfundene Füllworte, die er vielleicht neu mit "Grüße" besetzt hatte (eigentlich hießen sie allerdings sowas wie Küssen und Kuscheln und so Kram...), und schrieb mir wieder, wo er war. In meinem Mailfach waren drei Mails.
Zuerst schrieb er mir etwas, das ich gesucht hatte.
Dann schrieb er mir, dass er mich vermisst. Und ob wir nicht bald wieder Kontakt haben könnten.
Dann schrieb er mir, dass er auch hofft, dass alles wieder gut wird.
"Wirklich, wirklich."
Und dass er Zweifel hat, mir sowas zu schreiben, weil er mich nicht ausnutzen oder warmhalten will, aber dachte, dass ich wolle, dass er das trotzdem kommuniziert.
Natürlich war ich gleich im Zweifel-Modus und frug mich: Wenn ich von "Alles wird gut" spreche, meine ich natürlich, dass diese ganze Situation aufhört und ich die werde, die an seiner Seite ist. Das habe ich auch oft genug gesagt...aber vielleicht meint er ja, "Alles wird gut" im Sinne von "Mila hat keine Gefühle mehr, wir führen eine rein platonische Freundschaft und es gibt keinen Beef mehr zwischen uns"? Ich dachte da schon eine Weile drüber nach, und abends kam ich zu dem Schluss, dass er das wahrscheinlich nicht so meint, denn wenn er von Freundschaft spräche, müsste er doch nicht im Nachhinein klarstellen, dass er mich nicht ausnutzen und warmhalten wolle, oder? (Ich frug sowohl den Hasen, den Internet-BFF als auch Fräulein Bamberg, und alle drei sagten, dass sie das gleich so interpretiert hätten und wunderten sich darüber, was ich zuerst dachte.)
...Kann das sein? Hat er mir da wirklich geschrieben, dass er selbst auch hofft, ...dass wir am Ende heiraten?
Ich komme nicht umhin, nochmal zu fragen: Wozu dann das Ganze?
Ich wünschte mir, dass er sich meldet, er hat sich gemeldet. Ich wünschte mir, er gäbe mir Kosenamen und Koseworte, und er schrieb sie mir. Ich wünschte mir, er würde mir SMS und Emails schreiben, er würde mich ein bisschen spamen, ich wünschte, er würde mir schreiben, dass er mich vermisst, ich wünschte, er würde etwas auf unseren gemeinsamen und seit längerem verlassenen Blog schreiben, und er hat alles davon getan, ohne, dass ich ihm das gesagt hätte, und außerdem hat er mir einen Tintenfisch mit Schnurrbart geschickt.
Wie kann ich ihn denn nur, wie könnte ich ihn nur je, nicht lieben?
Und ich wünschte mir, dass er mich zurückwill, und dann sagt er, er will, und ich verstehe nicht, warum es dann trotzdem so ist, wie es ist. Das...macht doch irgendwie alles kaputt.
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